ADS/ADHS



Bausteine der Diagnostik für Erwachsene


Hier findet Ihr eine Zusammenfassung der Bausteine für eine sorgfältige Diagnostik bei Erwachsenen mit dem Verdacht auf AD(H)S.

Bevor Ihr den Gang zur Diagnose bei einer geeigneten Stelle wählt, das können

Psychiater
Psychologen
Psychotherapeuten
Klinische Diagnosestellen (z.B. Uni-Kliniken) sein,

solltet Ihr Euch genau überlegen, am besten niederschreiben, warum Ihr diesen
Weg geht. Das hat seinen Sinn, denn oft vergisst man in der oft angespannten Situation des ersten Gespräches wichtige Dinge.

Motivation/Beweggründe oder „Warum will ich mich diagnostizieren lassen?“

Neben der eigenen Unzufriedenheit, dem Gefühl des irgendwie anders sein, schon seit Kindheit an, sind es oft auch Hinweise nahe stehender Menschen (Partner, Familie, Freunde), die uns zur AD(H)S-Diagnostik führen.

Fragestellungen:

Wie wichtig ist mir die Diagnose? Ungeheuer wichtig für Diagnostik und Therapie!

Welche Problematiken bestimmen mein Leben?

Beispiele:

Probleme bei der Selbstorganisation

Übermäßige Unordnung (bis hin zu Messies, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom)

Keine bzw. stark verzögerte Erledigung von routinemäßigen Alltagsaufgaben (Haushalt, Kontoführung, Steuererklärung...)

Unpünktlichkeit bzw. völliges Vergessen von Terminen

Erledigung von Aufgaben, immer erst in der letzten Minute und auf äußeren Druck

Probleme, sich im gesellschaftlichen, beruflichen oder privaten Umfeld an Regeln zu halten

Häufige Arbeitsplatzwechsel

Häufige Partnerwechsel

Wie lange und wie stark beherrschen diese Probleme schon mein Leben?

Auswahlkriterien für die geeignete Diagnosestelle

Allgemein gilt:
Vermeidet lange Anfahrtswege, wenn es denn geht!
Geeignete Diagnosestellen könnt Ihr hier auf persönliche Anfrage bekommen. Schickt uns eine p.n. mit Postleitzahl Eures Wohnortes. Selbsthilfegruppen oder Übergeordnete Stellen (z.B. http://bv-ah.de BV-AH.ev. ) helfen Euch in dieser Frage sicher auch gerne weiter.
Wichtig: Ihr solltet nur solche Stellen aufsuchen, die sich mit der Diagnose von AD(H)S auskennen und diesbezüglich auch Erfahrungen haben. Wenn Ihr unsicher seid, dann hilft auch ein telefonischer Anruf um dort näheres zu erfahren.

Die Wirkung einer Medikation sollte nicht Grundlage der Diagnosenstellung von ADHS sein.

Es darf nicht sein, das Ihr nach einer kurzen Untersuchung Methylphenidat verordnet bekommt mit dem Vermerk: „Wenn es wirkt, haben sie vermutlich ADS.“ Bedauerlicherweise kommt so etwas vor!
Wichtig ist auch, dass Ihr das Gefühl habt, Ihr könnt Eurem gegenüber vertrauen. Solltet Ihr dieses Gefühl gänzlich vermissen, dann liegt es an Euch diesen Punkt entweder anzusprechen und zu klären oder evtl. eine andere Stelle zu suchen.

Diagnose

Die Diagnose beinhaltet nicht ein kurzes Gespräch und dann wird verschrieben.
Deshalb solltet Ihr beim Erstgespräch grundlegend informiert werden, welche Untersuchungen die Diagnose dort enthält. Macht Euch bitte Notizen!
AD(H)S Diagnostik ist bisher immer noch eine http://bv-ah.de Ausschlussdiagnostik. Anders geht es nicht, lasst Euch dahingehend keine Märchen aufbinden!

Mögliche andere Krankheiten, die ausgeschlossen werden müssen:

Depressive und bipolare Störungen
· Angststörungen
· Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit, Spielsucht, Essstörungen etc.
· Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten / Verhaltensstörungen bei Kindern
· Lernstörungen insbesondere Schreib- und Leseschwäche
· Psychotische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
· Zwangsstörungen
· Persönlichkeitsstörungen
· Tic-Störungen
· Hypo- und Hyperthyreoidismus
· Schlafstörungen(Schlaflabor Diagnostik)
· Erberkrankungen (Chromosomale Störungen wie z.B. Klinefelter-Syndrom)
· Hirnverletzungen / Traumata
(adhs.ch)



Die Diagnose sollte sich primär an die diagnostischen Kriterien des DSM-i.V. halten.

Eigenanamnese

Dabei werden Schilderungen der Familiengeschichte, Beschreibungen der Entwicklung des Betroffenen sowie Fremdbeschreibungen von Bezugspersonen, Freunden oder Familienagehörigen einbezogen. Zur Differenzialdiagnose gehören Fragen nach den Familienverhältnissen, z. B. Konflikte, Erziehungsprobleme, evtl. auch ausgelöst durch vorliegendes AD(H)S der Eltern, Trennung, Misshandlung, schwerer Erkrankung der Eltern, aber auch nach dem sozialen Umfeld, Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Drogen gefragt.

Fremdanamnese

Die Diagnose und Behandlung sollte andere Personen einschließen, die auch Fremdbeurteilungen geben können (Partner, Eltern, Geschwister). Evtl. auch Vorgesetzte im Beruf, das bedingt aber ein sehr großes Vertrauen zum Vorgesetzten. Sollten Zweifel bestehen, dann besser Finger weg!

Die Behandlung sollte in Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen erfolgen.

Um organische Störungen auszuschließen, werden Blutuntersuchungen, EEG, Computertomographie oder Kernspintomographie des Kopfes durchgeführt.

Psychologische Untersuchungen

Entwicklungs- und Intelligenztest
Persönlichkeitsstruktur
Fähigkeit zur Daueraufmerksamkeit testen (Konzentration). Hierzu werden in der Regel auch computergestützte Tests durchgeführt.



Notiert Euch vor dem Abschlussgespräch noch anfallende Fragen und lasst Euch genau erklären, was Ihr nicht verstanden habt! Werden Therapievorschläge gemacht, fragt was exakt therapiert werden soll und wie Ihr zu Hause mitarbeiten könnt.
Die Therapievorschläge sollten multimodale Inhalte umfassen. Also nicht alleine die Medikation, sondern auch Konzepte zur Förderung der täglichen Struktur und positiven Verhaltensänderung. Dazu ist eine verhaltenstherapeutische Behandlung oft zwingend erforderlich und angeraten.



Copyright: by Klaus Schmidt
to Andersweltforum März 2006